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Kulinarik

Margit und Andreas Frey: Wir sind ein Wirtshaus – und wollen das auch bleiben

By 4. August 2021No Comments

Der Goldene Löwe in Maria Taferl ist ein gestandenes Wirtshaus – mit wunderschönen holvertäfelten Stuben und einer Familientradition seit 1906. Die heutigen Betreiber, Margit und Andreas Frey bewahren klassische Wirtshauskultur mit bodenständiger Küche und einem ausgeprägten Bier-Schwerpunkt. In ihrem Tun setzen sie auf Nachhaltigkeit und mit METRO verbindet sie eine ganz besondere Geschichte.

Interview: Klaus Egle, Fotos: Elisabeth Egle

Diese Interview-Serie zum Thema „Nachhaltig Wirten“ ist eine Kooperation von Wirtshausführer und METRO Österreich, das die Nachhaltigkeit als vorrangiges Unternehmensziel festgeschrieben hat. Gemeinsam stellen wir Wirte vor, die in vorbildlicher Weise Nachhaltigkeit täglich leben, in einer Branche, die mehr als andere im Blickfeld der Öffentlichkeit steht. So machen wir ihre nachhaltigen Initiativen sicht- und nachvollziehbar.

Die Leute sollen einfach mehr sehen, als einen Seminarraum. Andreas Frey

Klaus Egle: Herr Frey, Sie sind nicht nur Biersommelier und Barrista, sondern auch Wanderführer, Wegewart, Mountainbike-Guide… man könnte sagen: Naturvermittler. Was macht das mit den Gästen, wenn Sie mit ihnen auf Tour in die Natur gehen?
Andreas Frey: Man wächst zusammen mit den Gästen. Wenn man als Fremder hierherkommt und von einem Einheimischen die schönsten Platzerl gezeigt und auch die Geschichten und Geschichte dazu erzählt bekommt, dann haben die Gäste viel mehr Bezug zu dem Ort und auch direkt zu unserem Wirtshaus. Wir haben gemeinsam mit den Schachners, unsere Hotelnachbarn, die viele Seminargäste haben, für diese die „Maria Taferl Genusstour“ entwickelt. Das fängt mit einem kleinen Bier bei uns an, da gibt es schon ein paar Informationen über die Entstehungsgeschichte von Maria Taferl, drüben beim Luki (Lukas Schüller, Destillerie und Genusswerkstatt, Anm. der Redaktion) gibt es dann den Maria Taferl Magenbitter, da erklären wir den Ausblick, die Wanderwege, schneiden alle Themen ein bisschen an und dann gibt es ein Essen beim Schachner. Oder wir machen vorher noch eine Käseverkostung in der Käsehütte oder eine Bierverkostung. Die Leute sollen einfach mehr sehen als einen Seminarraum, dann können sie zu Hause auch etwas erzählen und kommen dann vielleicht auch privat mit der Familie wieder her.

Wir haben den so genannten "Lebensweg" mitentwickelt. Andreas Frey

Stichwort Entschleunigung: Macht es einen Unterschied, wie jemand zu Ihnen kommt – zu Fuß, mit dem Rad, mit dem Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln? Sprich: Wie sind die Leute drauf?
Andreas Frey: Die Gäste, die zu Fuß kommen und die Zeit haben, sich geistig darauf einzustellen, kommen viel entspannter zu uns. Dasselbe gilt auch für die Radfahrer. Dass beginnt damit, dass sie sich bewusst entscheiden, auf diese Weise zu uns nach Maria Taferl zu kommen und dann werden durch die Bewegung ja auch Glückshormone ausgeschüttet, darum sind die Leute dann richtig gut drauf. Unter anderem haben wir auch den so genannten „Lebensweg“ mitentwickelt. Da setzt man sich auf einer Strecke von rund 140 Kilometern mit seinem Leben auseinander – da nimmt man sich jeden Tag ein Thema vor, wie die Geburt, die Pubertät oder die erste Liebe… da marschiere ich durch das Hinterland im südlichen Waldviertel, wo ich kaum Menschen begegne und komme dabei so richtig runter.

Zusätzlich bieten Sie ja auch einen Abholservice vom Bahnhof in Pöchlarn an, also muss man nicht unbedingt mit dem Auto zu euch kommen, oder?
Andreas Frey: Das hat sich auch so ergeben, weil wir direkt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln schwerer erreichbar sind, seit es die Donauufer-Bahn nicht mehr gibt. Zum Glück ist es uns inzwischen gelungen, die Situation mit den Öffentlichen wieder zu verbessern aber wir holen die Leute auch vom Bahnhof ab. Oder, wenn sie zum Wandern hier sind, bringen wir sie zum Ausgangspunkt und holen sie vom Ziel wieder ab. Da bekommen die Leute von uns ein Lunchpaket mit regionalen Produkten, sammeln den ganzen Tag viele Eindrücke und am Abend bringen wir sie wieder zurück.

Bei der Nachhaltigkeit denkt man zunächst natürlich an die Küche. Welche Rolle spielen regionale und saisonale Produkte bei Ihnen, Margit Frey?
Margit Frey: Wir schauen uns wirklich in der Region um, was wir bekommen können. Vieles wird mittlerweile von selbst an uns herangetragen. Eier, Milch, Kürbisse, Salat, Ziegenkäse und anderes beziehen wir so aus der nächsten Umgebung. Ein Bauer ruft an und sagt, er hätte eine Menge Rindsknochen – das wird bei uns gleich eine gute Rindssuppe. Oder ein anderer bringt uns die frischen Steinpilze vorbei, die er gefunden hat. Oder seit ein paar Wochen bekommen wir Rohmilch, die für die Küche super ist.

Andreas Frey: Tatsächlich beziehen wir viele Produkte von den Bauern der Region aber im Hintergrund braucht jeder Wirt auch einen Großhandel mit verlässlicher und gleichbleibender Qualität, sonst kommst Du, wie man bei uns sagt „ned zum schmeiß’n“.

Jeder Wirt braucht im Hintergrund auch einen Großhandel. Andreas Frey

Außer der Regionalität, wie wird Nachhaltigkeit in der Küche noch gelebt: Abfallvermeidung, Verpackungsreduktion, Wiederverwendbare Verpackungen etc.?
Andreas Frey: Wir geben zum Beispiel die Steigen für das Gemüse wieder zurück, das sind Mehrwegverpackungen, die Milch beziehen wir in Glasflaschen, die ganzen Säfte, die wir selbst machen, kommen genauso in Glasflaschen. Während der Take-Away-Phase haben wir die Leute gebeten, wenn möglich ihr eigenes Geschirr mitzubringen und für die anderen haben wir bei METRO kompostierbare Verpackungen gekauft.

Wir beziehen auch viel Gebrauchsmaterial von Metro. Margit Frey

Wo ist METRO ein wichtiger Partner für Sie und was schätzen sie an der Partnerschaft mit METRO?
Margit Frey: Ich bin mit METRO wirklich sehr zufrieden… wir beziehen auch viel Gebrauchsmaterial von dort: Geschirr, Servietten, Verpackungsmaterial, Pfannen, Töpfe. Da fahre ich einmal in der Woche hin und schaue, was es gibt und entdecke dabei auch immer wieder tolle Aktionen. Mir ist es auch wichtig, dass ich die Produkte sehe, die ich kaufe.

Andreas Frey: Ja, es gibt noch einen guten Grund. Denn die Fahrt hin und zurück ist oft die einzige Zeit, in der wir in Ruhe über alles Mögliche reden und Dinge besprechen können. Sonst ist man ständig von Gästen, Mitarbeitern oder der Familie umgeben. Begonnen hat das schon 2006, als wir den Betrieb übernommen haben. Wir haben das so beibehalten, obwohl wir uns die Waren natürlich auch liefern lassen könnten. Tatsächlich ist meine Geschichte mit METRO aber noch viel älter. Ich kann fast sagen, dass ich im METRO aufgewachsen bin – die Fahrten mit meinen Eltern waren immer ein Ereignis, weil wir Kinder ein Spielzeug bekommen haben und am Rückweg ist man immer eingekehrt. Heute kann ich das Sortiment beim METRO auswendig – ich weiß genau, wo was ist, (lacht) – außer sie schlichten wieder mal was um. Und die Partnerschaft ist ausgezeichnet, einzelne METRO-Abteilungen machen bei uns sogar ihre Weihnachtsfeiern.

Aus der Zeit kommt der Brauch des Bierstachelns. Andreas Frey

Das Bier spielt im Goldenen Löwen eine wichtige Rolle – schon ihr Großvater, Lambert Frey, zapfte vor 100 Jahren gut abgelagertes Wieselburger Bier vom Fass. Wie pflegen Sie diese Tradition weiter?
Andreas Frey:  Viele verwehren sich gegen die Biere der Brau-Union, weil das ja zu Heinecken gehört und ein internationaler Konzern ist, aber wenn man das Historische betrachtet, beliefert uns die Wieselburger Brauerei schon über 100 Jahre – da gab es für Bier ja noch einen Gebietsschutz. Wir haben ja das Glück, dass in unserem alten Wirtshaus der Kühlraum direkt hinter der Schank ist, darum ist unsere Bierleitung nur gut einen Meter lang, was natürlich optimal ist. Da standen schon die 200-Liter-Bierfässer drinnen, die meinem Großvater mit dem Fuhrwerk geliefert wurden. Aus der Zeit kommt übrigens auch der Brauch des Bierstachelns. Die Bierkutscher waren arme Leute und mussten bei jedem Wetter raus. In jedem Wirtshaus gab es ja einen Kachelofen und der Wirt hat ihnen ganz formlos mit dem Schürhaken das Bier gewärmt. Übrigens ein tolles Getränk, das wir gerne bei Weihnachtsfeiern als Aperitif anbieten – man trinkt dabei ein kühles Bier durch einen warmen Schaum, das ergibt ein herrliches Mundgefühl.

Was spielt Nachhaltigkeit bei der Bierkultur für eine Rolle?
Andreas Frey:  Da lässt sich einiges tun. Die Gösser Brauerei zum Beispiel war die erste Grüne Brauerei mit AMA-Gütesiegel im Land, wo die Abwässer wieder für die Heizung und Kühlung verwendet werden, das Brauhaus Gusswerk, mit dem wir heuer unser Weihnachtsbier machen, ist eine Demeter-zertifizierte Bio-Brauerei – die sind echt gut drauf. Darüber hinaus kann man natürlich schauen, wo die Rohprodukte herkommen oder Hopfen gleich selbst anbauen… wie das alles geht, zeige ich den Leuten im Rahmen unserer Exkursion zur Wirtshausbrauerei Haselböck in Münichreith – da bekommen sie einen ganz anderen Bezug zum Thema Bier.

Das mechanische Alpenpanorama im Goldenen Löwen gibt es seit 100 Jahren und es funktioniert noch immer – was wohl auch an der Wartung und Pflege liegt. Auch ein Zeichen für Nachhaltigkeit, oder?
Andreas Frey:  Alle vier bis fünf Jahre kommt eine Krippenbauschule aus Steyr Christkindl her. Die machen einen Workshop daraus und richten alles wieder schön her. Für die Mechanik und das Technische bin ich selbst zuständig – damit es auch weiterhin gut läuft.