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Natur & Mehr

Gemeinsam mit dem Wirt ein Stück des Lebenswegs gehen

By 9. Juli 2021No Comments

Wanderblog von Claudia Schlager, Inhaberin des Freizeit- und Reiseblogs freets.at

Mit Wanderführer und Wirt Andreas Frey gehe ich den Lebensweg von Artstetten bis Maria Taferl. Wir plaudern über den Weg, das Wirtshaus und die Welt.

„Trink ma noch einen Espresso bevor ma gehen?“ Die Begrüßung von Andreas Frey in seinem Wirtshaus Zum Goldenen Löwen in Maria Taferl ist herzlich und ganz nach meinem Geschmack. Zu Kaffee „muss“ ich eigentlich immer ja sagen und so setz ich mich in den gemütlichen Gastgarten vor die gelbe Fassade des Wirtshauses. Direkt vor mir liegt die kopfsteingepflasterte Hauptstraße des Ortes, ein Stück weiter die barocke Basilika.

So entspannt beginne ich selten eine Wanderung. Gleich werde ich mit Andi einen Teil des Lebenswegs gehen. Ein 260 Kilometer langer Weitwanderweg im südlichen Waldviertel, der die verschiedenen Lebensabschnitte eines Menschen reflektiert. Bei einer geführten Wanderung wird mir der Wirt, Wanderführer und Biersommelier einen Abschnitt davon zeigen.

Gemeinsam gehen wir ein Stück der 12. Etappe: 5,5 Kilometer von Artstetten nach Maria Taferl. Übrigens eine seiner Stammstrecken, die er schon oft mit Gästen gewandert ist. Dazu wird uns, wie üblich, ein Shuttle nach Artstetten bringen. Zurück nach Maria Taferl geht es dann zu Fuß.

Weil der Wirt die beste Anlaufstelle beim Wandern ist...

Die Servierkleidung hat Andi heute gegen bequeme Wanderkleidung getauscht, die Mittagsschicht an die Kollegen übergeben. Nur den Kaffee holt er noch schnell selbst, dazu diverse Wanderkarten. Ja, es hat definitiv Vorteile mit einem Wirten zu wandern, besonders mit diesem. Denn Andreas Frey ist nicht nur begeisterter Gastwirt, er ist auch geprüfter Wanderführer, Mitglied des Österreichischen Touristenklubs (ÖTK), ehrenamtlicher Wegewart und hat selbst schon einige Wanderkarten erstellt.

Wandern ist im Wirtshaus „Zum Goldenen Löwen“ also ein großes Thema. Zu Maria Taferl passt das wunderbar. Immerhin liegt der Ort an verschiedenen Wanderwegen, die größtenteils direkt vor der Wirtshaustür vorbeiführen. Die optimale Lage war aber gar nicht der Grund, warum er sich zum Wanderführer ausbilden ließ. „Heute passt das zwar sehr gut, Wanderführer wurde ich aber noch bevor ich das Wirtshaus übernommen habe“, verrät Andi.

Das Wandern, die Bewegung in der Natur und seine Region herzuzeigen, das hat ihm schon immer gefallen.

Schon bei unserem ersten Gespräch im Gastgarten merke ich, dass sich daran bis heute nichts geändert hat. Für die Gäste und für das Wirtshaus ist das natürlich ein Gewinn. Andi hat ein besonders gutes Gespür für die Bedürfnisse seiner wandernden Gäste. Das spiegelt sich auch in den speziellen Angeboten des „Goldenen Löwen“ wider. Die geführten Wanderungen und das Shuttleservice sind nur zwei Beispiele dafür.

Ein Stück des Lebenswegs von Artstetten nach Maria Taferl

Nach dem gemächlichen Start beginnen wir unsere Wanderung an der Mauer des Schlossparks in Artstetten. Das Schloss mit seinen markanten Zwiebeltürmen ist vom Wanderweg nur teilweise zu erkennen, ein Abstecher unbedingt zu empfehlen. Neugierige können die ehemalige Sommerresidenz Erzherzogs Franz Ferdinands und den umliegenden Schlosspark bei einer Besichtigung (kostenlos mit der Niederösterreich Card) eingehend erkunden.

Wir starten aber vor der Schlossmauer. Gehen durch den schattigen Wald, später durchs Dorf, wo sich charmante Höfe und Häuser aneinanderreihen. Bis wir das letzte Stück zwischen Feldern in Richtung Maria Taferl zurücklegen. Schon früh taucht die Basilika hinter den Getreidefeldern auf. Es ist ruhig, sommerlich und duftet nach frisch gemähtem Heu. Trotz der Hitze (mittlerweile über 30 Grad) ist die Strecke auch für mich als Gelegenheitswanderer problemlos zu schaffen. Auf den leicht hügeligen Wegen, mit den amüsanten und informativen Geschichten des Wirten im Ohr und der Basilika im Blick, fällt das Wandern nicht sonderlich schwer.

Beste Aussichten: die Donau, der Ötscher und die kühle Gaststube

Nach fünfeinhalb Kilometern erreichen wir Maria Taferl. Ein halb verstecktes, steinernes Tor führt uns in den Pfarrgarten und zur barocken Basilika. Ganz oben, auf der Aussichtsterrasse vor der Basilika, genießen wir den Blick über die Donau, auf den Ötscher und die übrigen Berge. „Bei klarem Blick kann man sogar bis zu euch zum Schneeberg sehen“, so Andi, der sich offenbar nicht nur in „Taferl“, sondern auch in meiner Heimatregion gut auskennt.

Die Besichtigung der nicht weniger beeindruckenden Basilika und der Schatzkammer (ebenfalls gratis mit der Niederösterreich-Card) hebe ich mir für später auf. Jetzt führt mich mein Weg schnurstracks in die benachbarte kühle Gaststube.

Zufrieden lasse ich mich auf einen der alten Thonetstühle nieder und sauge die vielen Details auf: Die Gaststube, die schon der Urgroßvater geführt hat, der Stammtisch vor der Schank oder der eigene Tisch für Bierverkostungen im Zubau. Bier, das ist auch so ein Lieblingsthema des Wirten.

30 verschiedene Sorten führt der Biersommelier in der Karte, zu jeder kennt er eine Geschichte und das passende Gericht aus der Speisekarte.

Auch für heute hat sich eine Gruppe zu einer Bierverkostung angemeldet, weswegen sich Andi schnell umziehen muss.

Ich für meinen Teil schmökere in der traditionellen Wirtshauskarte. Der Bierkrustenbraten mit zweierlei Knödeln und warmen Krautsalat gibt mir wieder Energie, das kühle Bier die nötige Erfrischung. Später, denke ich mir, werde ich nochmal rausgehen und den Blick von der Basilika bei Sonnenuntergang genießen. Jetzt ist aber einmal das Essen dran; und das Bier natürlich.

Der Gasthof "Zum Goldenen Löwen":

Geführte Wanderungen sowie Shuttleservice zum Ausgangs- und vom Endpunkt | Lunchpakete und Picknickrucksäcke | Bierkultur | Bierverkostungen mit Biersommelier, Bierkrustenbraten mit Kraut und Knödeln | 4 Gästezimmer & Pilgerherberge (Ermäßigung für ÖTK-Mitglieder und Pilger).

In Maria Taferl starten: Lebensweg-Etappe 12 oder 13

Der Lebensweg:

Schritt für Schritt das eigene Leben durchwandern, Revue passieren lassen, die Gegenwart spüren und sich auf Kommendes freuen.

  • Länge: 260,8 km | 13 Etappen
  • Sehenswertes:Peilstein,Herzstein,Ysperklamm,Schlesingerteich,Edelsberger See,Gudenushöhle,Mohndorf Armschlag,Wachtstein in Bad Traunstein,Schloss Pöggstall,Basilika Maria Taferl,Aussichtswarte Münichreith
  • Einstieg an jedem Ort am Weg möglich
  • Schwierigkeitsgrad: mittel

Text und Bilder copyright: Claudia Schlager